Die 25 besten Schreibtipps – so schreibst du göttliche Texte!

Als Moses vom Berg Sinai hinabstieg, brachte er die berühmten Tafeln mit den 10 Geboten mit – diktiert vom Großmeister persönlich. So steht es in der Bibel. Was nicht drin steht: Es gibt noch eine weitere Tafel. Ihr Geheimnis wurde Generation zu Generation, von Schreiberling zu Schreiberling weitergegeben. Heute gebe ich sie an dich weiter: 25 göttliche Schreibgebote, die sich über hunderte und tausende von Jahren bewährt haben!

Tina Lauer

18. Mai 2022

Ob du dich an diese Gebote halten musst? Auf keinen Fall. Wir sind doch hier nicht in der Kirche. Aber wenn du diese 25 Schreibgebote beherzigst, wirst du deinen Schreibstil nachhaltig verbessern und göttlich gut schreiben. 

Wenn du dein Buch zu Ende schreiben willst, dann sind besonders die Schreibgebote Nr. 13 und 14 Gold wert!


 

Du sollst viel lesen und schreiben

1. "Du sollst viel lesen"

Ich bin eine verdammt langsame Leserin, aber ich lese trotzdem etwa 60 Bücher pro Jahr.

Tagsüber habe ich wenig Zeit zum Lesen und wenn, dann lese ich Sachbücher. Abends lese ich immer vor dem Einschlafen. Ich bin süchtig danach: Egal, wie müde ich bin, ich muss noch ein paar Seiten eines Romans lesen. 

Aus jedem Buch lerne ich etwas für meine eigenen Texte und Bücher - auch von den schlechten.

Am wichtigsten ist es, so viel wie möglich zu lesen. Dadurch erlangt man ein Verständnis, was gutes Schreiben ausmacht und erweitert seinen Wortschatz.
Joanne K. Rowling (*1965)


Deshalb rate ich dir: Lese so viel, wie du kannst – auch wenn es nur ein paar Seiten vor dem Schlafengehen sind. Lass dich inspirieren, abschrecken, überraschen und beeindrucken. Lerne von anderen Autor*innen, aber versuche nicht, sie zu kopieren.

2. „Schreibe über das, was du kennst“

Wir schreiben am besten über Dinge, die wir kennen. Dann sind unsere Schauplätze glaubhaft, werden unsere Figuren lebendig, sind ihre Berufe und Eigenarten authentisch. 

Natürlich kannst du auch über Themen schreiben, in denen du dich nicht auskennst. Doch am Anfang würde ich dir davon abraten, denn es ist viel schwerer und der Aufwand ist größer.

An welchen Orten kennst du dich aus? Wie leben die Menschen dort, wo du wohnst? Was weißt du über die Kultur dieses Ortes? Worüber kannst du schreiben, ohne große Recherchen vorzuschieben? 

Du bist Lehrer? Prima, dann lass deine Figur unterrichten oder Schüler*in einer Schule sein. Du bist Schreinerin? Bestens, dann lass den Mörder deines Krimis einen Mord in einer Werkstatt begehen. 

Du bist Expert*in in einem bestimmten Thema? Wunderbar, dann schreib einen Ratgeber mit deiner Methode.

(Wie du glaubhafte Romanfiguren entwickelst und weshalb du über Kobolde im Weltall schreiben kannst, obwohl du eine Stadtelfe bist, kannst du hier nachlesen.)

3. „Du sollst für dein Thema brennen“

Schau dir deine Schreibidee nochmal von oben bis unten an. Prüfe sie auf Herz und Buchstaben und sei ehrlich – wenigstens zu dir selbst: 

Stehst du fest zu dieser Idee und bist du bereit, für sie auch schwierige Zeiten durchzustehen?

Denn glaub mir: Die wird es geben. Vor allem, wenn es sich um ein längeres Projekt, wie ein Buch oder eine Promotion handelt. 

Wenn du keinen intrinsischen Antreiber spürst, ist deine Idee vielleicht nicht stark genug. 

Doch wenn du für deine Idee brennst, besteht die Chance, dass du sie auch durchziehst und fertig schreibst. Denn dann MUSST du dein Buch einfach schreiben

4. „Du sollst das Einhorn sein unter vielen Pferden“

Versuche nicht, es allen recht zu machen. Das geht ohnehin schief. Dein Schreibstil kann und wird nie allen gefallen. Oder wie Stephen King schreibt:

Es wird immer jemanden geben, der versucht, einem das Schreiben […] madig zu machen.
Stephen King

Trau dich stattdessen, so zu schreiben, wie nur du es kannst. Denn du bist einzigartig. Keiner hat dieselben Erfahrungen gemacht, niemand denkt oder spricht genauso, wie du. Warum solltest du dann nicht so schreiben, wie nur du schreibst? 

Das soll dich nicht unter Druck setzen, im Gegenteil: Es soll Druck rausnehmen. 

Wenn du mit deiner einzigartigen Schreibstimme schreibst, wird man dich wiedererkennen – im Gegensatz zu den 1.000 Pferden um dich herum, die beliebig schreiben. 

Überlege: Was macht DICH unverwechselbar? Denn darum geht es: Deine Leserschaft erkennt dich wieder – in all deiner Einzigartigkeit!

5. „Schreibe regelmäßig“

Schreiben ist wie ein Muskel, der trainiert werden will. 

Niemand setzt sich am ersten Tag hin und schreibt direkt wie Thomas Mann oder Virginia Woolf. Komisch, bei einer Pianistin käme niemand auf die Idee zu fragen, ob sie auf ihrem Instrument erst einmal üben musste und ob sie täglich trainiert. Wir wissen, dass es so ist. 

Dasselbe gilt für das Schreiben. Wenn du schreiben lernen oder deinen Schreibstil verbessern möchtest, hilft es, damit anzufangen, regelmäßig zu schreiben. Das können zwei Seiten in deinem Notizbuch zu einem x-beliebigen Thema sein. Niemand erwartet, dass du darin perfekte Sätze verfasst. Es geht um die Praxis. Auch die Pianistin spielt täglich Tonleitern, um ihre Finger zu trainieren und nicht gleich eine schwierige Sonate. 

Wichtig ist, dass du dran bleibst. Häufig werde ich gefragt:

Wieviel schreiben Autor*innen pro Tag?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Ich schreibe an manchen Tagen zwei Normseiten, an anderen zehn. 

Es hilft dir und deinem Buch sicher nicht, wenn du dir vornimmst, ab sofort zehn Seiten pro Tag zu schreiben, wenn du schon am zweiten Tag keine Lust oder Zeit mehr dazu hast. Setz dir lieber realistische Ziele. Was kannst du wirklich schaffen, wie viele Wörter in deinen Alltag integrieren? Was macht dir auch nach drei Wochen noch Spaß? 

Du hast nur Zeit für eine Seite pro Tag? Dann schreib eine Seite pro Tag – aber schreibe sie.

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6. „Tausche dich mit anderen Schreiberlingen aus“

Schreiben kann eine einsame Sache sein. Das ist das Schöne daran, aber auch das Schlimme. 

Ich suche oft die Gesellschaft anderer Menschen, um zu schreiben. Am liebsten schreibe ich in Cafés, in denen ich keine Person kenne und nichts mit dem Trubel und den Gesprächen um mich herum zu tun habe. 

Oder in Gesellschaft von Menschen, die ebenfalls konzentriert schreiben. 

Denn dann entsteht eine magische Schreibenergie!

Frei von Ablenkung und Ausreden schreiben wir an unseren Texten und tauschen uns anschließend darüber aus.

Dadurch bekomme ich neue Inspirationen für meine Bücher und wertschätzendes Feedback zu meinen Texten. 

Probiere es doch mal aus und komm in mein Wort*Schreibcafé.

7. „Schreibe dann, wenn deine Zeit gekommen ist“

Manche Menschen schreiben seitenweise, bevor die Sonne aufgeht. Andere verkriechen sich lieber bis mittags unter der Bettdecke.

Vielleicht bist du in den frühen Morgenstunden am kreativsten, vielleicht aber auch spät in der Nacht. Wichtig ist, dass du deinen individuellen Rhythmus findest und dazu stehst. 

Versuche, dich so gut es geht von äußeren Vorgaben freizumachen. Wenn das nicht geht, dann beobachte deine Tagesform innerhalb des gegebenen Rahmens einmal bewusster und notiere dir über zwei Wochen lang konkret Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Zu welcher Tageszeit hast du am meisten Ruhe zum Schreiben?

  • Zu welcher Tageszeit ist dein Kopf am wenigsten voll mit Sorgen, To-Do-Listen und Terminen?

  • Zu welcher Tageszeit kommen dir die besten Gedanken und Ideen? Also: Wann sprudelt dein Gehirn nur so über vor Worten, Geschichten, kreativen Ideen?

  • An welchen Tagen und zu welcher Tageszeit lässt sich das Schreiben am besten mit deinem Alltag vereinbaren?

8. „Schreibe dort, wo dich die Muse küsst“

Was für eine Umgebung brauchst du, um gut zu schreiben? Bist du ein visuell orientierter Mensch, der sich von schönen Landschaften oder Urlaubsfotos inspirieren lässt? Schreibst du gern im trubeligen Café oder alleine am Meer? Bringen dich angenehme Klänge in den Flow oder der Duft von frischen Blumen? Kannst du nur draußen kreativ sein? Brauchst du vielmehr einen leeren Schreibtisch und minimalistische Einrichtung, um in den Schreibflow zu kommen?

Finde heraus, wo dir das Schreiben leicht fällt, es lohnt sich! 

Nicht immer haben wir die Möglichkeit, dort zu schreiben, wo wir uns am wohlsten fühlen.

Ein Tischbrunnen, eine Motivtapete oder ein Duftspray können Abhilfe schaffen. Ein virtuelles Schreibcafé gibt es hier.

9. „Wähle dein Schreibwerkzeug mit Bedacht“

Der Autor Shelby Foote schrieb alle seine Bücher und Texte zuerst mit Stift auf Papier. 

Keine Angst, ich werde dir nicht dazu raten, deinen 500-Seiten Fantasy-Roman erstmal in dein Notizbuch zu kritzeln. Aber zwischendurch kann der Wechsel des Schreibmediums den Schreibflow ankurbeln. Du glaubst mir nicht? Probiere es aus. 

Welches Notizbuch passt zu dir?

Manche schreiben am liebsten auf liniertem Papier, andere auf kariertem. Manche mögen es gar nicht, wenn sie durch Linien begrenzt werden und fühlen sich mit weißem Papier am wohlsten.

Ich empfehle dir, leg dir nicht ein einziges wunderschönes Notizbuch zu, in das du dann nur „schöne“ Gedanken oder „perfekte Sätze“ packen möchtest, sonst blockierst du dich.

Besorge dir mehrere günstige Notizbücher für unterschiedliche Themen. Probiere aus, worauf du am liebsten schreibst. Dein Notizbuch ist ein Gebrauchsgegenstand. Es darf gebraucht werden und auch so aussehen. 

Mit welchem Stift schreibst du am besten? Kuli, Filzstift oder Füller? Vielleicht denkst du, das spielt keine Rolle. Aber wenn du dich während des Schreibens über den Stift ärgerst, vergeht dir die Lust am Schreiben.

Ich schreibe am liebsten auf dem Laptop oder mit dem Kaweco Tintenroller* auf einem Notizblock mit weißem, nicht-liniertem Papier.

Ich klaue bei IKEA diese kleinen Bleistifte, die finde ich so herrlich. Wenn ich zu IKEA gehe, nehme ich nicht nur einen, sondern immer fünf, und damit schreibe ich. Die hab ich neben dem Bett, neben dem Schreibtisch und in allen Taschen.
Elke Heidenreich (*1943)

Vielleicht fällt es dir leichter, erst einmal ein Diktiergerät zu verwenden.

Besonders dann, wenn du zu Schreibhemmungen neigst, oder Ausreden suchst, um dich nicht an den Schreibtisch setzen zu müssen, empfehle ich dir eine Sprachaufnahme. Denn beim Sprechen spuckt uns die Perfektionistin nicht so schnell in die Suppe. Das Diktiergerät hast du in deinem Smartphone ohnehin dabei.

Zusätzlich empfehle ich dir, stets ein Notizbuch und Stift griffbereit zu haben, denn die besten Ideen kommen oft nicht am Schreibtisch, sondern beim Spaziergang im Wald, beim Aufwachen oder in der Bahn. 

Erst wenn du deinen Zweifler und die Perfektionistin ein bisschen besser im Griff hast, kannst du dich ans Schreiben am PC oder Laptop machen.

Ich bevorzuge den Laptop, ganz einfach deshalb, weil ich damit flexibel bin und am Schreibtisch, am Küchentisch, am Strand, im Bett oder im Café schreiben kann.

Schreibst du am besten mit dem Laptop? Brauchst du eine Laptop-Stütze, damit du auf der richtigen Höhe schreibst und keine Rückenschmerzen bekommst? (Ich habe ein paar Stützen ausprobiert und empfehle den höhenverstellbaren Laptop-Ständer von BoYata*).

Natürlich gibt es zahlreiche Autoren-Softwares, die dir beim Schreiben behilflich sein können (zu den Königinnen zählt sicherlich die Software „Papyrus“.

Doch zu Beginn steht dir eine solche Software eher im Weg, als dass sie dir hilft. Was du am Anfang brauchst, sind Notizbuch, Diktiergerät und Word-Programm. Alles andere lenkt dich nur ab.

10. „Du sollst dich nicht ablenken lassen“ 

Wenn du wirklich schreiben willst, dann schalte dein Handy aus oder lege es lautlos in ein anderes Zimmer. Schließe alle Social-Media-Kanäle, E-Mail-Clients und Online-News auf dem Laptop! 

Die University of Texas fand heraus, dass es die Gehirnleistung um 15 % beeinträchtigt, wenn dein Smartphone auf dem Tisch oder in deiner unmittelbaren Nähe liegt! Du musst es noch nicht einmal ansehen – die reine Präsenz reicht aus.  

Also: Leg dein Handy in ein anderes Zimmer, wenn du es mit dem Schreiben ernst meinst. Dein kreativer Geist braucht Platz zum Schreiben.
 

11. „Kenne die Grammatik-Regeln, bevor du sie brichst!“

Ich hatte nie etwas für Grammatik-Regeln übrig. Allein das Wort „Regel“ löst Würgereflexe bei mir aus. Hilft aber nichts. Wer schreiben will, sollte die Grundregeln der Rechtschreibung- und Grammatik beherrschen und sich nicht aufs Lektorat verlassen. 

Gerade wenn man vorhat, sein Manuskript einem Verlag anzubieten, sollte es frei von Fehlern sein. Wenn ich dann aber erst anfange, mir die deutsche Rechtschreibung einzutrichtern, ist es sicher zu spät. 

Wer beispielsweise auf diesem Zoo-Aushang nicht die Tragik des Fehlers erkennt, wird kaum in der Lage sein, die Grammatik-Regeln so zu brechen, dass literarisch wertvolle Texte dabei entstehen:

„Sehr geehrte Besucher, aufgrund Ihres hohen Alters ist unsere Leopardin leider gestorben."

Zudem hilft es beim Schreiben sehr, wenn du nicht ständig über Grammatik-Regeln nachdenken musst, sondern sie so selbstverständlich in deinem Hintergrund-Programm ablaufen, wie ein Software-Update auf deinem Computer.

12. „Du sollst dem Passiv abschwören“

Verben erscheinen in zwei Formen, der aktiven und der passiven. Bei einem aktiven Verb tut das Subjekt des Satzes etwas. Bei einem passiven Verb wird etwas mit dem Subjekt des Satzes getan. Das Subjekt läßt es über sich ergehen. Das Passiv sollten Sie meiden.
Stephen King

Passiv-Sätze wirken oft wie Bandwürmer: Unangenehm und zu lang. Wenn ich beim Verb angelangt bin, weiß ich oft schon gar nicht mehr, wozu es gehörte. Das ermüdet deine Leser*innen.

Welcher Satz lässt sich leichter lesen?

  1. Der Autor schreibt gute Texte.

  2. Die Texte des Autors werden gut geschrieben. 

Wenn du dich für den zweiten Satz entscheidest, kann ich dir nicht helfen. 

Allen anderen empfehle ich, den ersten Entwurf des Textes zu schreiben und erst im zweiten Durchgang akribisch, wie Sherlock Holmes, auf Passiv-Spurensuche zu gehen. Wenn du die Übeltäter entlarvst, kannst du sie umformulieren. Dein Text wird leichter und du beherzigst gleichzeitig das göttliche Gebot Nr. 20.

Ok, ich gebe zu, ein ziemlich übles Beispiel. Aber glaub mir: Texte dieser Art lese ich ständig in Content und auf Websites. Also bitte: meide das Passiv.

13. „Du sollst der Perfektion abschwören“

Kennst du das? Du bist voller Motivation und sprühst vor Ideen, die du aufschreiben willst. 

Doch dann taucht sie auf: 

Das Fräulein Perfektion will, dass jeder Satz perfekt ist. Sie will, dass sogar das erste Wort vor Perfektion glänzt. 

Hätte ich auf sie gehört, wäre keines meiner Bücher jemals fertig geworden – vermutlich hätte ich meine Doktorarbeit bis heute nicht verteidigt, geschweige denn publiziert. 

Doch ich wusste, wann es Zeit ist, sie in die Besenkammer zu sperren und wann sie wieder raus darf.

Und ich kannte das geheime Gebot: 

14. „Du sollst deinen ersten Entwurf nicht überbewerten“

Schon klar, manchmal ist Fräulein Perfektion ein Segen. Ich möchte z. B. nicht von einer Chirurgin aufgeschnippelt werden, die nach der 80-20-Regel arbeitet. Ich möchte auch nicht in einem Haus leben, dessen Architekten tragende Wände für überflüssig hielten.

Ja, zu einem späteren Zeitpunkt deines Schreibprojekts ist Perfektion absolut willkommen. Natürlich habe auch ich meine Doktorarbeit am Ende gefühlte 1.000-mal überarbeitet.

Aber:

Der erste Entwurf von irgendetwas ist Bullshit.
Ernest Hemingway

Verbanne die Perfektion im Schreibprozess deshalb in die Besenkammer. Am besten knebelst du sie und klebst ihren Mund mit Klebeband zu. 

Dann schreib los und lass alle deine Gedanken raus. Schreib auch die Wörter und Sätze auf, welche die Perfektion direkt löschen würde. Falls sie sich aufregt, sag ihr einfach, dass du sie im zweiten Durchgang oder fürs Lektorat wieder freilässt. 

Aber jetzt lass erstmal alles stehen und schreibe. Unser Gehirn muss zu Beginn erst warmlaufen und ins Schreiben kommen. Danach kommt meist eine Idee nach der anderen. Du musst es nur zulassen. 

Es ist deine Entscheidung: Probiere es aus oder riskiere, dass dein Buch nie fertig werden wird!

15. „Bewahre den Glauben an dein Buch“

Wenn Sie in den Wald geraten, bleiben Sie nicht dort hocken. Haben Sie sich im Plot verzettelt oder hängen Sie fest, gehen Sie zurück an die Stelle, an der Sie den falschen Weg eingeschlagen haben. Nehmen Sie nun den richtigen und/oder wechseln Sie die Person. Zur Not den ersten Absatz.
Margaret Atwood

Hast du dich auch schon mal im Wald verirrt oder das Gefühl gehabt, den falschen Weg eingeschlagen zu haben? Gerade warst du von deinem Buch noch vollkommen überzeugt, ja sogar euphorisiert. Jetzt liest sich alles nur noch wie Mist. Am liebsten würdest du dein Manuskript in die Ecke schmeißen?

Das ist normal. Ich behaupte sogar: Jede*r Schriftsteller*in kennt das. Wir alle verlieren zwischendurch mal kurz die Orientierung oder den Glauben an unser Buch.

Gründe dafür gibt es viele, denn das Schreiben ist ein Prozess, der nicht anfängt, wenn du den Stift in die Hand nimmst, oder dann aufhört, wenn du ihn wieder zur Seite legst. Er begleitet dich in deinem Alltag, besucht dich unter der Dusche und schleicht sich sogar in deine Träume. Manchmal kuschelt er mit deinen Zweifeln und manchmal mit deinem Selbstbewusstsein. Je nachdem, wie es dir gerade geht.

Ein Mittel dagegen ist „Distanz“.

Leg das Manuskript beiseite oder klapp den Rechner zu, sobald du alles nur noch schlecht findest. Lass es ein paar Minuten, ein paar Stunden, oder auch ein paar Wochen ruhen. Nur Monate sollten es nicht sein, sonst läufst du Gefahr, dass du es nie wieder anpackst. 

Du wirst sehen: Mit ein bisschen Abstand liest du deinen Text mit anderen Augen.
 

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16. „Verwende Zitate in Maßen“

Kaum ein Buch kommt ohne Zitate anderer Autor*innen oder Forscher*innen aus. Ich verwende Zitate beispielsweise, um einen Standpunkt zu untermauern, Absätze optisch abzugrenzen, oder als Überschrift. Sie sind das Salz in der Wortsuppe.

Doch wie bei einem guten Gericht, solltest du auch deine Texte sparsam würzen: Setze Zitate nur dann ein, wenn sie deinen Text tatsächlich bereichern. 

Was du außerdem beim Zitieren beachten solltest, sowie meine25 inspirierendsten Zitate berühmter Schriftstellerinnen, findest du in meinem Blog zum Thema.

17. „Du sollst ehren den Mann, die Frau und alle anderen Geschlechter“

Gendern sprengt den Lesefluss und schön sieht es auch nicht aus. Als Autor*in ist die Genderfrage deshalb von hoher Bedeutung. 

Ich verzichtete lange Zeit darauf, denn ich dachte, dass Gleichstellung ein Wandel ist, der in der Gesellschaft stattfinden muss. 

Was aber, wenn dieser Wandel durch unsere Schrift und Sprache viel mehr beeinflusst wird, als wir bisher annahmen?

Eine Studie der Freien Universität Berlin belegt, dass gendergerechte Sprache die kindliche Wahrnehmung von Berufen beeinflusst: 

Kinder schätzen Berufe als erreichbarer für sich ein, wenn sie sowohl die männliche als auch die weibliche Form hörten oder lasen.

Wurden Mädchen beispielsweise eher „typisch männliche Berufe“ mit Beidnennung vorgestellt (z. B.: „Ingenieurinnen und Ingenieure“ statt nur „Ingenieure") trauten sie sich eher zu, diese zu ergreifen.

Dann reicht die Beidnennung doch aus und ich kann auf das Sternchen verzichten, oder? Zumindest ist der Rat der deutschen Rechtschreibung dieser Meinung und empfiehlt in seiner Sitzung vom 26.3.2021, * _ und : beim Gendern wegzulassen. 

Ich verwende trotzdem das *, denn das Gendersternchen denkt – im Gegensatz zur Beidnennung – auch nicht-binäre Menschen mit. 

Kommen wir zurück zum Schreiben: Auch wenn ich mich zum Gendersternchen bekenne, verwende ich es sparsam. Denn gute Texte gendern elegant. 

Wie du dich auch entscheidest, ich rate dir, dich mit dieser Frage auseinanderzusetzen und eine einheitliche Regel für dein Buch festzulegen.

18. „Schwöre ab den Floskeln“

Würdest du im Restaurant die Reste auf einem Teller essen, die dir ein fremder Mensch hinterlassen hat? Wohl kaum. Du müsstest schon halb verhungert sein, um den natürlichen Ekel zu ignorieren. 

Warum bedienst du dich dann an abgenagten Bildern oder Sprüchen? Wenn du Floskeln benutzt, wird dein Text beliebig. Deine Schreibstimme leidet und ganz sicher auch dein Erfolg als Autor*in. 

Wenn du trotzdem Sätze, wie „Alle Wege führen nach Rom“ verwenden willst, dann passe sie wenigstens an. Mach was Neues draus: „Alle Wege kreuzen sich in Buxtehude“. 

Viel besser und erfolgreicher wird dein Text, wenn du eigene Bilder entwickelst. Ich bin grundsätzlich ein großer Fan des Recycelns. Doch im Gegensatz zu einem neuen Smartphone, geht das kreative Schreiben neuer Bilder nicht auf Kosten des Klimas. 

Aber wie geht das? 

Fang am besten damit an, Floskeln in deinem Text zu identifizieren: 

Du erkennst sie daran, dass sie eine geringe Aussagekraft haben, als Füllwörter dienen, oder so oft benutzt wurden, dass sie uns nerven. Wenn du sie entdeckt hast, dann entwickele Alternativen. Bilder, die zu dir und deiner Marke, deinem Stil und/oder zu deinem Personal-Brand passen.

Egal, ob du Roman-Autor*in bist oder Business-Ratgeber schreibst: 

Zeig uns, wer DU bist und wie DU schreibst. Finde deine Schreibstimme, deinen Stil, deine Bilder und schmeiß die Floskeln in die Tonne. 

19. „Du sollst bildhaft schreiben“

Schreibe bitte nicht: „Ich hatte Angst“, sondern beschreibe mir, wie sich deine Angst zeigte und was sie bei dir auslöste. Fingen deine Hände an zu zittern? Weiteten sich deine Augen? Ranntest du weg oder erstarrtest du zu Eis? Sprachst du, während du Angst hattest? 

Wenn du es schaffst, ein Bild in deiner Leserschaft zu erzeugen, dann fesselst du ihre Aufmerksamkeit und sie werden weiterlesen. 

Im Roman gelingt dir das durch glaubwürdige Dialoge und Handlungen. Im Business-Text durch kleine Geschichten, die Emotionen in deinem Gegenüber auslösen. Das nennt man Storytelling

Nutze dafür am besten mehrere Sinneskanäle (auditiv, visuell, kognitiv, usw.), denn es gibt Menschen, die eher visuell ausgeprägt sind und andere, die mehr auf ihre Empfindungen oder das Hören konzentriert sind. Oder mit Stephen Kings Worten:

 

Die Darstellung läßt den Leser mit allen Sinnen an der Geschichte teilhaben.

 

20. „Du sollst kürzen“ 

Ich halte nichts vom Abnehmen. Im Gegenteil: Ich werde in meinem Leben keine Diät mehr anrühren! 

Es gibt nur einen Bereich, in dem ich „Abnehmen“ gut finde:

Beim Schreiben.

Kürzen tut jedem Text gut. 

Ich weiß, es ist nicht leicht, seine Lieblinge zu töten, wenn man gerade stundenlang Sätze gebastelt hat. Jetzt etwas streichen?

Ja, unbedingt! 

Mindestens 10 % können weg – immer. 

Mein Tipp: Schreib erstmal drauf los und vergiss dabei das Kürzen. 

Wenn du fertig bist, geh nochmal drüber und streiche:

  • Doppelungen („Der weiße Schimmel“ –> ein Schimmel ist weiß; „Die hellen Sonnenstrahlen“ –> Sonnenstrahlen sind hell; usw.)

  • Überflüssige Adjektive („Plüsch“ statt „flauschiger Plüsch“; „Meilensteine“ statt „wichtige Meilensteine“, usw.)

  • Sätze, die wie ein Klotz am Bein hängen, aber nichts Neues zum Inhalt beitragen.

  • Mehr Aktiv, weniger Passiv (mehr dazu in Gebot Nr. 12).

21. „Du sollst nicht vor Schreibblockaden kapitulieren“

Ich dachte wirklich, mir kann das nicht mehr passieren...

Letztens saß ich an meinem Schreibtisch und dachte über mein neues Buch nach. Doch mir kam nicht die kleinste Idee. 

„Dir fällt nichts ein!“, brüllte sie mich plötzlich an. Ihr Gelächter verhöhnte mich. Ich wurde kleiner und kleiner und fühlte mich wie erstarrt. Mein Kopf dröhnte und Verzweiflung machte sich in mir breit. 

Doch nur für einen Moment. Denn nach kurzer Zeit übernahm mein kreatives ICH wieder die Leitung. Ich rappelte mich auf und rückte mein Krönchen zurecht:

„Auch du darfst mal eine Schreibblockade haben – vollkommen ok!“

Dann trat ich hinaus auf meinen Balkon und beobachtete, wie der Wind die Blätter umspielte. 

Die Blätter mögen sich verändern und herabfallen. Doch der Baum bleibt stehen. Es braucht schon einiges mehr, um ihn auszureißen. 

Jeder, der schreibt, wird irgendwann mit einer Schreibblockade konfrontiert.

Manche Blockaden lösen sich durch einfache Ortswechsel, andere sind etwas hartnäckiger und brauchen vielleicht die Unterstützung eines Schreibcoaches.

Aber es gibt immer eine Lösung!

Ich schreibe, wenn ich in meinem Garten arbeite. Auch beim Gehen. Gehen tut dem Schreiben gut.
Annie Proulx (*1935)
  • Wenn du nicht weiterkommst, dann wechsle erstmal den Ort. Geh spazieren, nimm ein Bad, oder setz dich in ein Café. Wenn nichts kommt, dann versuche es am nächsten Tag erneut.

  • Mach Sport, eine Mediation, oder höre Musik – irgendetwas, was dich auflockert und ablenkt. Danach kannst du es erneut versuchen. 

  • Anstatt direkt zu schreiben, diktiere deine Ideen in eine Audio-Aufnahme. 

Ich bin dann duschen gegangen. Nachdem das heiße Wasser etwa zwei Minuten über meinen Rücken lief, kam mir eine Idee nach der anderen für mein Buch!

22. Wisse, dass Recherche nicht zum Schreibprozess gehört“

Wo war Kennedy, bevor er am 22. November 1963 nach Dallas flog? Saßen seine Kinder ebenfalls in der Air Force One? Welche Route nahm der Fahrer, bevor er am Schulbuchlager vorbeifuhr? 

Im Schreibprozess tauchen ständig Fragen auf, die nach Antworten verlangen.

Doch jedes Mal, wenn du dir ein Buch zur Hand nimmst oder ins Netz gehst, um eine Recherche zu starten, reißt dich das aus deinem Schreibflow. Vielleicht bleibst du irgendwo hängen und dir geht wertvolle Zeit fürs Schreiben durch die Lappen.  

Recherchen sind ein wichtiger Teil des Buchprozesses. Doch sie gehören nicht in deine Schreibzeit!

Wenn du schreibst, dann schreibe. Wenn während des Schreibprozesses Fragen auftauchen, dann markiere die Stelle mit einem Kommentar und kläre sie später. 

Hätte Stephen King jedes Mal aufgehört zu schreiben, sobald ihm eine Frage zu JFK einfiel, „Der Anschlag“* wäre wohl heute noch nicht erschienen.

23. „Abstand tut deinem Text gut“

Wenn du den ersten Entwurf fertig gestellt hast, dann leg ihn erst einmal zur Seite. Lösche nichts, bearbeite nichts, füge nichts mehr hinzu. Wie ein Hefeteig, muss auch dein Manuskript eine Weile ruhen, bevor du dich ans Überarbeiten machst. 

Gönn dir mindestens zwei Wochen Abstand und dann nimm dir das Manuskript wieder vor. Lese es dir am besten erstmal durch, ohne Rechtschreibfehler und Grammatik zu korrigieren. Versuche, dir ein Bild vom Inhalt zu machen: 

  • Gibt es Inkonsistenzen? 

  • Ist deine Handlung logisch, spannend und stringent?

  • Macht deine Figur an manchen Stellen vielleicht Dinge, die gar nicht zu ihr passen? 

  • Ist dein Sachbuch verständlich geschrieben?

  • Erzählt dein Ratgeber Geschichten oder leierst du nur deine Methode runter?

Wenn du dein Buch inhaltlich geprüft und es ein paar vertrauenswürdigen Testleser*innen gegeben hast, kannst du die Perfektionistin wieder aus der Besenkammer rauslassen. Jetzt ist sie gefragt und darf wüten. Hier wird Gebot 20 wichtig!

Doch auch die beste hauseigene Perfektionistin ersetzt kein professionelles Lektorat.

24. „Ehre das Lektorat“

"Lektorat? Brauche ich nicht! Meine Frau hat schon Korrektur gelesen!" 

Wenn du deinen Roman oder dein "Expertenbuch" in einer Woche runtergerotzt hast und es in der Schublade verschwinden soll, dann reicht das sicherlich aus.

Allen anderen empfehle ich ein professionelles Lektorat.
Denn egal, wie gut und fehlerfrei du schreibst:
Nachdem du monatelang an deinem Buch gesessen und Schweiß dafür vergossen hast, siehst du den Satz vor lauter Worten nicht mehr. 

Das gilt für jeden Schreiberling. Auch ich bin bei meinen eigenen Texten und denen, die ich als Ghostwriter verfasse, irgendwann "wortblind".

Darüber hinaus leistet ein Lektorat weit mehr als nur Rechtschreibung- und Grammatik-Korrektur (eigentlich „Korrektorat“ genannt). Ein professionelles Lektorat deckt Schwächen auf und schließt Lücken in deiner Argumentation.
Wenn du mit deinem Buch ernst genommen werden willst, kommst du um ein Lektorat nicht herum.

25. „Du sollst deine Erfolge feiern“

Dein Manuskript ist fertig? Hammer! 

Jetzt ist es Zeit, zu feiern und dich für deinen Erfolg zu belohnen, denn du hast Erstaunliches geleistet. 

Häufig wird der Buchprozess ja mit einer Schwangerschaft verglichen. Ich finde, dass es vielmehr mit der Erziehung eines Kindes vergleichbar ist. Du gibst dein Bestes und legst deine ganze Liebe und all dein Wissen hinein und hoffst, dass am Ende ein fröhlicher, gebildeter und empathischer Erwachsener aus dem Kind wird. Wenn das Kind dann vor seinem Schulabschluss steht, bist du stolz, wie Bolle und den Sekt auf der Abschlussfeier hast du dir mehr als verdient. 

So ist es auch mit deinem Buch. 

Nur 10% aller Menschen, die ein Buch schreiben wollen, ziehen es durch. Wenn du also an diesem Punkt angekommen bist, dann: Hoch die Tassen!

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Ich empfehle allerdings nur Bücher, die ich schätze und dir wirklich ans Herz lege.

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