20 Dinge, die du noch nicht über mich wusstest!
Wenn du meine Über-Mich-Seite gelesen hast, dann weißt du schon einiges über mich: Du weißt, dass ich seit meiner Kindheit gerne schreibe. Du weißt, dass ich Sachbücher, Kinderbücher und Romane unterschiedlichster Art verfasse. Du weißt, dass ich Tibetologin, Kulturmanagerin und Fundraiserin bin. Du weißt, dass ich einen Coaching-Background habe und seit vier Jahren Menschen auf ihrem Weg zum fertigen Manuskript begleite - und oft darüber hinaus. Aber es gibt einiges, was du vermutlich noch nicht über mich weißt... Einiges erfährst du jetzt hier!
Tina Lauer
6. März 20251. Ich war noch nie in Tibet!
Ok, die meisten waren noch nie in Tibet, was ist daran besonders? Naja - die meisten Menschen haben auch nicht in Zentralasienwissenschaften mit Schwerpunkt Tibet promoviert.
Wenn ich von meinem Studium erzähle, kommen fast immer folgende Fragen:
Bist du Buddhistin? (Die Antwort darauf erfährst du unter Punkt Nr. 20).
Hast du schon einmal den Dalai Lama getroffen? Ja, schon oft.
Und: Warst du schonmal in Tibet? Nein, noch nie. Das liegt vor allem daran, dass ich mich für die Wahrung der Menschenrechte in Tibet eingesetzt habe. Das wird in China (ja, Tibet ist nach wie vor von China besetzt) nicht sooo gern gesehen. Dafür war ich mehrmals in Indien und habe mich viel mit der tibetischen Diaspora beschäftigt.

2. Fck the early bird
Ich hasse es, vor 8 Uhr morgens aufzustehen.
Daran konnten auch all die Jahre als Mutter nichts ändern. Ich weiß noch, als mein Kind ein Säugling war, sagten viele Eltern: "Du gewöhnst dich dran. Irgendwann macht dir das frühe Aufstehen nichts mehr aus."
Von wegen! Ich habe mich nie daran gewöhnt. Und Vorsicht: Ich kann wirklich zickig werden, wenn mir jemand was von "Der frühe Vogel fängt den Wurm" erzählt. Termine gibt es bei mir desahlb frühstens um 9 Uhr - besser um 10 Uhr - dann erlebst du mich ausgeschlafen und im Kreativ-Modus. 😉
3. Wo finde ich deine Telefonnummer?
Oh, da musst du suchen. Die findest du zwar in meiner E-Mail-Signatur, aber nicht auf der Website. Das hat gute Gründe:
Ich schreibe und coache hauptberuflich. Dafür brauche ich Ruhe. Aus diesem Grund stelle ich nicht nur mein Geschäftshandy, sondern auch mein privates Handy grundsätzlich lautlos. Am Wochenende und abends ab 18 Uhr bleibt das Geschäftshandy immer aus.
Wie erreicht man dich denn dann?
Jedenfalls nicht telefonisch. Schick mir am besten eine E-Mail - dann melde ich mich bei dir.
Kennenlernen möchte ich dich vor einer möglichen Zusammenarbeit ohnehin via Zoom oder persönlich.
Übrigens: Calendly-Links gibt es bei mir übrigens auch nicht, denn ich erhalte täglich Anfragen und frage deshalb vor dem Kennenlerngespräch gern ein paar Rahmendaten ab.
4. Warum ich Whatsapp und Social-Media meide
Es war kurz vor der Geburt meines Kindes. Im Mutterschutz lag ich fast nur noch, weil jede Bewegung schmerzte. In dieser Zeit war mein Smartphone mein bester Freund. Er schenkte mir Nachrichten, zeigte mir das Wetter und spielte Musik ab. Doch irgendwann merkte ich, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte, meinen "Freund" zu checken. Ich nahm das Smartphone völlig grundlos in die Hand. Einfach nur, weil ich nicht wusste, was ich sonst mit meiner Zeit anfangen sollte.
Doch so sollte mein Kind nicht aufwachsen: mit einer Mutter, die permanent nach diesem Ding greift. Also löschte ich meine Social-Media-Accounts und nahm mein altes Handy wieder in Betrieb - damit gingen nur noch SMS und Anrufe. Mir ging es super damit, auch wenn es am Anfang eine Umstellung war und viele Dinge mit einem höheren Aufwand verbunden waren. Aber auf einmal hatte ich wieder viel mehr Zeit - mehr Zeit für mich und auch für mein Kind.
Vier Jahre lang hielt ich das durch. Erst mit Beginn meiner Selbständigkeit besorgte ich mir zögerlich wieder ein Smartphone und wurde beruflich auf LinkedIn aktiv.
Doch mit konsequenten Regeln:
-
Das Smartphone bleibt fast immer lautlos (vgl. Punkt 3).
-
Ich erhalte keine Push-Benachrichtungen, außer für SMS und i-Message.
-
Ich nutze LinkedIn nur zum Senden statt zum Konsumieren für mein Business. Und auch nur an Werktagen zwischen 8-18 Uhr.
-
Das Smartphone liegt fast immer auf einem Regal im Flur - es ist nie dabei, wenn ich Zeit mit meinem Kind verbringe.
-
Messenger-Dienste fressen Zeit - deshalb meide ich sie so gut es geht. Whatsapp nutze ich gar nicht - egal, wie viele Whatsapp-Gruppen mir dadurch entgehen - es geht immer auch ohne!
5. Salami und Zugfahren
Ich bin zwar seit einigen Jahren keine richtige Vegetarierin mehr. Aber Wurst oder Wurst-Aufschnitt kommen mir nicht ins Haus! Das meine ich wortwörtlich: wer mit mir die Wohnung teilt oder zu Besuch ist, muss auf Wurst verzichten. Besonders den Geruch von Salami fand ich schon immer widerlich.
Woran das liegt? Keine Ahnung. Aber ich empfinde es als Geruchsbelästigung, wenn jemand im Zug neben mir Salami isst. Eigentlich liebe ich das Bahnfahren (vgl. 8.), aber in diesen Salami-Momenten hasse ich es. Also, wenn du mich mal im Zug triffst und dich mit mir unterhalten willst, dann lass das Wurstbrot besser stecken.
6. Femi was?
"Feministen wollen Männer unterdrücken!"
Ganz genau - das ist das erklärte Ziel des Feminismus: Den Männern mal so richtig eins reinzuwürgen und uns für Jahrtausende der Unterdrückung zu rächen. Ich weiß immer nicht, ob ich weinen oder lachen soll, wenn ich so einen Mist lese. Denn einerseits ist es absurd, andererseits zutiefst traurig.
Denn solche Annahmen zeigen einmal mehr, wie weit wir noch von echter Gleichstellung der Geschlechter entfernt sind. Trotz des Rechtsrucks, der mit einem erschreckend patriarchalen Wiedererstarken einhergeht, glaube ich weiter daran, dass es eines Tages eine gerechetere Gesellschaft gibt, in der Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen endlich der Vergangenheit angehören. Auch wenn in den USA gerade erneut ein verurteilter Vergewaltiger ins Weiße Haus eingezogen ist und die Welt auch ansonsten aus den Fugen geraten scheint.
Ach übrigens: Wenn du Mysogynist bist, Anti-Feminist, Pick-Up Artist, Incel oder Red Piller, und dich der verdrehte Algorithmus aus irgendeinem schrägen Grund auf meine Seite geschickt hat. Dann troll dich. Hau ab. Zieh Leine!
7. Yoga? Nein Danke.
Realtalk - auch wenn ich damit so manche*n Yogi*ni vor den Kopf stoße: Ich fand den Sonnengruß schon scheiße als ich vor 25 Jahren in Indien das erste Mal eine Stunde bei einem Yoga-Guru ausprobierte. Alle schienen beseelt von den Übungen. Ich dachte nur: "Wann ist es endlich vorbei?". Bitte versteh mich richtig: Ich freue mich für jede und jeden, der oder die in Yoga ihre Erfüllung findet. Und ich habe überhaupt nichts gegen Achtsamkeitspraxis und Meditation. Im Gegenteil. Aber mit dem körperlichen Yoga-Bewegungskram kannst du mich jagen.
Alle paar Jahre kommt mal wieder eine Bekannte oder ein Freund an und will mich zu einer Yoga-Stunde überreden: "Du hast einfach nur noch nicht den richtigen Yoga-Kurs gefunden, aber der hier gefällt dir bestimmt!" Und alle paar Jahre gehe ich mit. Schließlich werden wir alle älter und verändern uns.
Aber seit letztem Jahr ist Schluss damit! Es hat lange gedauert, aber beim letzten Mal hab ich endlich begriffen, dass es einfach nicht mein Ding ist. Basta. Aus. Danke und viel Spaß euch allen beim Yoga.
8. Die Deutsche Bahn und ich...
... sind beste Freunde. Ob du es glaubst oder nicht.
Und das, obwohl ich es als Jugendliche kaum abwarten konnte, endlich 18 zu werden und meinen Führerschein abzuholen. Ich liebte das Autofahren - und im Schwarzwald blieb mir leider auch nichts anderes übrig, denn da fährt nur selten ein Bus.
Heute liebe ich das Bahnfahren und habe bestimmt die Hälfte meiner Bücher und meiner Dissertation im Zug verfasst. Reisen, ohne etwas dafür zu tun und die Zeit auch noch sinnvoll nutzen zu können: was gibt es Besseres?
Regelmäßig bin ich mit Kind und Kegel von Berlin in den Schwarzwald gefahren - 7 Stunden allein bis Freiburg. Im Kleinkindabteil des ICE war das perfekt! So viel schöner, als das arme Kind stundenlang in einen Kindersitz zu pferchen und über volle Autobahnen zu brettern. Ich kann das nur jeder Familie wärmstens ans Herz legen: Das Kind kann sich bewegen (und du auch), kann ausgestreckt im Kinderwagen schlafen und du kannst es auch noch wickeln oder stillen. Du kannst entspannt deinen Kaffee trinken, während dein Kind spielt. Was willste mehr?
Warum Menschen in Berlin und anderen Großstädten Autofahren, bleibt mir schleierhaft. Ganz ehrlich, ich kann es einfach nicht nachvollziehen! Es stinkt, ständig steht man im Stau oder sucht nach einem Parkplatz - und ja, die Umwelt und die Luft wird verpestet. Ich werde regelrecht wütend, wenn Menschen ohne körperliche Beeinträchtigung und mit perfektem Zugang zum Nahverkehr für ihren Weg zur Arbeit usw. das Auto nutzen.
Ok, ich gebe zu: Manchmal wird meine Freundschaft mit der DB auf die Probe gestellt. Zum Beispiel, wenn ich statt um 22 Uhr um 3 Uhr nachts in Berlin ankomme und sie mir noch nicht mal ein Taxi erstattet, um nach Hause zu kommen.
Aber dann tröstet sie mich wieder mit einer Freifahrt oder mit Gratis-Kaffee und Eis in der DB-Lounge und wir sind uns wieder einig: Nie wieder ein eigenes Auto!
9. Ich kenne meine Privilegien
Hast du dich schon mal mit deinen Privilegien befasst? Ich bin zwar eine Frau und die meisten Menschen denken aufgrund meiner Physiognomie, dass ich einen Migrationshintergrund habe. Aber bin ich überaus priveligiert aufgewachsen. Ich musste in meinem Leben noch nie hungern, hatte immer ein Dach über dem Kopf und schon als Kleinkind ein eigenes Zimmer. Ich hatte immer Zugang zu Bildung und meine Kindheit lang zwei Elternteile, die sich um mich gekümmert haben. Ich bin "weiß" und habe noch nie Krieg oder Verfolgung erlebt. Ich besitze die Deutsche Staatsangehörigkeit und kann mit meinem Pass ohne Probleme fast in jedes Land der Welt einreisen. Ich darf meine Meinung jederzeit frei äußern, meinen Wohnort und Beruf selbst wählen und so viele Kinder kriegen oder nicht wie ich möchte. Und vieles mehr...
Das einzige Mal, dass ich Diskriminierung aufgrund meiner Nationalität erfahren habe, war in meiner Zeit in der Schweiz. Aber auch das war vergleichsweise harmlos.
Für all meine Privilegien kann ich nichts. Ich bin in sie hineingeboren.
Deshalb setze ich mich für Menschen ein, die weniger Glück hatten. Ich engagiere mich beispielsweise ehrenamtlich im Verein Wir packens an e.V. (Nothilfe für Geflüchtete an den EU-Außengrenzen). Außerdem unterstütze ich folgende, mir nahestehende Projekte: Nomadenhilfe e.V., Leseleben e.V., Weltweit – Gesellschaft zur Förderung lokaler Initiativen e.V.
Wie steht es um deine Privilegien?
Falls du dir darüber ein paar Gedanken machen willst, dann schau dir mal dieses inspirierende Video an: "Social Inequalities Explained in a $100 Race" auf YouTube.

10. Ich liebe Karaoke
Gib mir nie ein Mikro in die Hand. Es sei denn, du kannst damit leben, dass ich es nicht mehr loslasse. Ich liebe es zu singen. In meiner Jugend übernahm ich verschiedene Soloparts in Musicals und Oratorien. Ich sang auf Hochzeiten, Stadtfesten, in Begleitung von Big Bands, Vocalgroups und Chören und hab mir mit Muggen so manches Taschengeld dazu verdient. Nach einigen Jahren klassischer Gesangsausbildung nahm ich während des Studiums Jazz-Gesangsunterricht.
Seit einigen Jahren komme ich leider nur noch selten zum Singen. Aber wenn, dann umso leidenschaftlicher. Wann immer im Freundeskreis eine Karaoke-Party steigt, bin ich garantiert dabei!
Singst du gern? Singen macht glücklich, singen ist Leben. Es geht nicht darum, ob du gut bist - es geht um den Spaß. Trau dich, lass deine Ansprüch los und versuch es einfach mal. ;-)
PS: Und wenn du eine kleine, feine Vocal-Group mit engagierten Laien-Sängerinnen in Berlin kennst, die noch eine Mezzosopranistin gebrauchen könnte, dann lass es mich wissen. ;-) Danke.
11. Ich wollte nie nach Berlin!
Wenn ich erzähle, dass ich seit einigen Jahren in Berlin lebe, höre ich entweder: "Oh, das könnte ich nicht, die Stadt ist mir viel zu groß" oder: "Wow, wie toll!".
Ich kam aus privaten Gründen nach Berlin und wollte auf keinen Fall länger als zwei Jahre bleiben. Am Anfang haben wir uns sehr schwer miteinander getan - Berlin und ich. Die Stadt stinkt, ist dreckig und laut. Sie ist alles, was ich nicht mag.
Inzwischen haben wir eine Hass-Liebe zueinander entwickelt. Ich habe viele Stadtteile kennen- und lieben gelernt. Der Dreck, die vielen Autos und Menschen nerven mich zwar immer noch und ich will auch nach wie vor hier weg. Aber Berlin hat viele wunderbare Seiten, die ich vermutlich vermissen werde, wenn ich mal von hier wegziehe:
Nirgendswo in Deutschland findest du ein so reichthaltiges kulinarisches, kulturelles und vielfältiges Angebot. Menschen aus allen Ländern strömen hierher, um die Geschichte und das Leben hier zu entdecken. Es gibt viele Parks und Sehenswürdigkeiten und ich hab in all den Jahren erst einen Bruchteil davon gesehen. Und das ist nur ein kleiner Teil all dessen, was ich an Berlin liebe.
Dickes B., ick liebe dir!

12. Warum ich gendere
Oh ja, der große Aufreger: Gendern.
Es scheint kaum eine inhaltlich sinnvolle Debatte darüber möglich zu sein. Viele Menschen werden emotional und regen sich fürchterlich auf, wenn irgendwo gegendert wird. Markus S. aus Bayern behauptet beispielsweise immer wieder öffentlich: "Sprache ist frei", verbietet aber im gleichen Atemzug ein Verbot des Genderns an Schulen und Behörden. Das ist nicht nur paradox, sondern aus meiner Sicht auch diskriminierend, frauenfeindlich und rückständig.
Wenn Gendern nichts bringen würde, dann wäre diese Kriegserklärung ja vielleicht noch nachvollziehbar. Also lass uns mal schauen:
Ist Gendern sinnvoll?
Das Studienfeld ist zwar noch recht jung (weil in dieser männderdominierten Welt viel zu lange nur das generische Maskulinum galt). Doch "... bisherige wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Gendersprache die Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten nicht nennenswert beeinträchtigt.", so Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim in ihrem ZDF-Format "MAITHINK X" zum Thema "Gendern wissenschaftlich geprüft" vom 09.05.2024.
Es ist es sogar so, dass Texte in einer Studie mit Gendersternchen sogar als verständlicher rezipiert wurden, als ohne. Allerdings bräuchte es laut Mai Thi weitere Studien mit größeren Testgruppen, um das Ergebnis zu bestätigen. Und ja, barrierefreier wären neutrale Formen. Der Kontext ist also wie immer sehr wichtig.
Ich halte es deshalb ähnlich wie Mai Thi und wechsle je nach Kontext mit den Formen ab - das generische Maskulinum benutze ich allerdings kaum. Ich konzentriere mich meist auf neutrale Formen und Gendersternchen. Denn im Gegensatz zur Beidnennung denkt das Gendersternchen auch nicht-binäre Menschen mit.
Wird gendern die Welt verändern?
Natürlich nicht. Gendergerechte Sprache allein wird nicht Diskriminierung auflösen, aber sie ist ein Baustein von vielen. Ein Baustein, der vielleicht einfach nur ein bisschen Gewöhnung braucht - so wie 1996 die Reform der deutschen Rechtschreibung. Die war damals ein großes Ding, um das es viel Wirbel gab - heute interessiert sie kaum noch jemanden.
Zurück zur Frage: Wirkt gendern?
Ich sage: Ja.
Eine Studie der Freien Universität Berlin zeigt, dass gendergerechte Sprache die kindliche Wahrnehmung von Berufen beeinflusst: Kinder schätzen Berufe als erreichbarer für sich ein, wenn sie sowohl die männliche als auch die weibliche Form hören oder lesen. Werden Mädchen zum Beispiel eher „typisch männliche Berufe“ mit Beidnennung vorgestellt (z. B. „Ingenieurinnen und Ingenieure“ statt nur „Ingenieure“), trauen sie sich eher zu, diese zu ergreifen.
Ich finde, das ist ein wichtiger Grund, um auf das generische Maskulinum zu verzichten.
Genderst du in deinen Texten? Wenn ja: wie?
13. Dharamsala sehen und sterben
Schon als Kind hatte ich das Privileg, viele Länder der Welt kennenzulernen. Als Abiturientin bin ich nach Afrika gereist, als Studentin habe ich ein halbes Jahr in Kanada verbracht und Indien bereist. Für meine Feldforschung war ich ein paar Monate in vielen Teilen Indiens unterwegs und habe ein paar Jahre in der Schweiz gelebt. Bevor mein Kind geboren wurde, bereiste ich mehrere Monate Südamerika. Zwischendrin bin ich in vielen weiteren Ländern gewesen.
Die meiste Zeit habe ich bei Einheimischen gelebt und hatte das Glück, viele Kulturen nicht nur als Touristin kennenzulernen. Ich glaube, das hat meinen Blick auf die Welt und die Menschen darin schon früh und nachhaltig geprägt. In meinem Studium war das "normal" - bzw. ich war sogar eine von denen, die vergleichsweise viel Zeit in Deutschland verbracht haben. Für die meisten Menschen ist das alles andere als selbstverständlich.
Heute reise ich zwar viel weniger - u. a. weil ich Mutter bin, Reisen teurer geworden ist und ich der Umwelt zuliebe so wenig wie möglich fliegen will. Aber meine Eindrücke sind geblieben. Und ich denke, es muss nicht jeder wie wild durch die Welt fliegen, um seinen Horizont zu erweitern. Ein Blick über den Tellerrand reicht oft schon: Das kleine Gespräch mit Menschen auf der Flucht über ihre Herkunft. Der Besuch einer polnischen Kleinstadt nahe der Odergrenze. Es gibt auch für Leute ohne großes Reisebudget viele Möglichkeiten, Menschen aus anderen Ländern und Kulturen kennenzulernen. Klingt nach naivem heile Welt Blabla, aber es ist was dran: Baut Brücken, statt sie einzureißen.

14. Ich bin überzeugte Demokratin
Manche Menschen in Deutschland behaupten, wir würden längst in einer "Autokratie" leben und man dürfe ja schon lange nicht mehr "seine Meinung sagen". Sorry Leute, aber wer so was behauptet, hat offensichtlich keine Ahnung, wie ein autokratischer Staat tatsächlich aussähe. Ich habe das zum Glück bisher auch nicht erleben müssen. Aber ich kenne Menschen, die ein solches Leben kennen. Menschen, die vor staatlicher Überwachung und Diktatur geflohen sind. Menschen, die alles zurückgelassen haben, die unter lebensgefährlichen Bedingungen Schutz suchen, nur um dann festzustellen, dass viele Menschen sie am liebsten einsperren oder zurückschicken würden.
Deutschland ist - noch - ein Land, in dem jeder frei seine Meinung äußern kann. Ein Sozialstaat, in dem Menschen Hilfe erhalten (meistens jedenfalls). Ein Land der freien Religionsausübung. Ein Land, in dem trotz Krisen und Inflation noch immer großer Wohlstand herrscht. Ein Land, in dem Politiker*innen in einem demokratischen Prozess vom Volk gewählt werden und Presse- sowie Versammlungsfreiheit herrscht. Ein Land der Vielfalt. Ein Land, in dem Frauen Männern vor dem Gesetz gleichgestellt sind (wenn auch in vielerlei Hinsicht in der Praxis noch jede Menge Luft nach oben ist). Ein Land, in dem die UN-Menschenrechte gelten. Ein Land im Frieden.
Aber vielleicht war es in den letzten 80 Jahren nie wichtiger, Haltung zu zeigen, wie jetzt. Damit wir weiterhin in Frieden und Freiheit leben können, setze ich mich für Demokratie ein. Denn es ist die einzige Staatsform, die wirkliche Freiheit garantiert!
15. Die schwierigste Entscheidung meines Lebens
Als ich 30 war, bekam das erste Pärchen in meinem Freundeskreis ein Kind. Da merkte ich mir noch den Namen und das Geburtsdatum. Bald waren es so viele, dass ich mir kaum noch die Namen, geschweige denn an die Geburtstage erinnern konnte. Die Jahre vergingen und ich ging lieber monatelang auf Reisen, als Mutter zu werden. Lange Zeit war ein Kind nicht wirklich eine Option für mich und es wäre für mich auch völlig ok gewesen, keins zu wollen. Ich konnte mich nur nie vollständig gegen ein Kind entscheiden.
Aber leider auch lange nicht so richtig dafür. Denn was ich da in meinem Bekanntenkreis sah, erschreckte mich: Ich sah viele gestresste Mütter, anstrengende Kinder und egoistische Väter. Das wollte ich auf keinen Fall! Aber kein Kind bekommen, dafür konnte ich mich auch nicht bewusst entscheiden (auch wenn das völlig ok gewesen wäre).
Als ich mich mit Ende 30 schließlich doch für ein Kind entschietd, war ich mir bis zum Ende der Schwangerschaft nicht sicher, ob das WIRKLICH eine gute Idee war. Würde ich dieses Kind lieben können? Würde ich es bereuen, meine Freiheit dafür aufgegeben zu haben?
Dann kam mein Kind. Und natürlich wurde alles anders. Nicht alles davon war oder ist schön - manches unfassbar nervig. Aber ich habe keine Sekunde davon jemals bereut.
Die Entscheidung FÜR ein Kind war tatsächlich die schwierigste Entscheidung meines bisherigen Lebens.
Und es war gleichzeitig die Beste, die ich je getroffen habe!
16. Hauptsache Musik?
Ich liebe Musik: Egal, ob als Geige in Orchestern, Sängerin auf der Bühne oder mit meinem Cello zuhause: Musik gehört zu meinem Leben, wie Grüntee und Tango.
Wenn du jetzt denkst: "Die hört bestimmt nur Klassische Musik und Tango", irrst du dich.
Musik ist bei mir extrem kontextabhängig:
- Ich singe gerne Jazz-Standards und Musicalsongs.
- Ich spiele gern episch-schöne Melodien auf dem Cello.
- Im Orchester liebe ich vor allem sinfonische und romantische Werke von Brahms, Dvořák oder Tschaikovsky.
- Ich zappel gern zu 90er Jahre Punkrock, Indie oder Alternative - wie "But Alive...", "Faith no More", "Nirvana", "Guns`n`Roses" und "Pearl Jam".
- Am liebsten besuche ich Konzerte von "Kettcar", "Die Ärzte" und dem isländischen Singer-Songwriter Svavar Knutur.
- Zum Schreiben höre ich instrumentale Soundtracks von Filmen und leichte Klassik.
- Unterwegs höre ich gern Singer-Songwriter wie Olli Schulz oder Songs von Max Raabe.
In einer Welt ohne Musik könnte ich nicht leben.
Es gibt aber auch Musik, die ich nicht ertragen kann. Schlepp mich in einen Techno-Club und du wirst mich wütend erleben. Zwing mich, ein Helene Fischer Konzert zu besuchen und ich werde nie wieder ein Wort mit dir wechseln.

17. Der aufregendste Job meines Lebens
2004: Ich sitze mit Richard Gere und dem Dalai Lama in einem kleinen Raum und frage mich, wie ich da hingekommen bin. Mein Fernsehinterview im kanadischen Fernsehen, die Audienzen mit dem Dalai Lama und die Orga für ein Großevent mit u.a. Alanis Morrissette gehören zu den Highlights meines Praktikums beim Canada Tibet Committee in Montréal. Was war das für eine verdammt tolle Zeit!
2003: Ich nehme ein kleines Päckchen entgegen - "Express-Service", schwinge mich aufs Fahrrad und fahre durch die halbe Stadt, um eine Blutprobe ins Unikrankenhaus zu bringen. Da meldet sich das Funkgerät: "Tina, bitte fahr nochmal schnell zum Verteidigungsministerium, die haben noch ein paar Pässe, die dringend zur indischen Botschaft müssen. Ende." Lange bevor es Lieferando und Co. gab, bin ich als Fahrradkurierin durch die Stadt gedüst und hab mir damit ein Jahr lang mein Studium finanziert. Du glaubst mir nicht? Dann schau dir das mal an:

2006: Ich stehe mitten in der Nacht neben Oliver Pocher in einer Halle und tanze mit hunderten Menschen - ohne Musik. Plötzlich ruft jemand "Cut!". Alle hören auf zu tanzen und unterhalten sich. Ehrlich gesagt einer der wenigen, wirklich nervigen Drehs meiner Statisten- und Kleindarsteller-Zeit. Ansonsten hatte ich oft viel Spaß am Set. Der perfekte Studentenjob: Ich bekam einen Haufen Kohle für wenig Arbeit, nutzte die Drehpausen zum Lernen und durfte mich am Catering bedienen. Was will Studentin mehr?
Ich habe noch viele weitere Jobs in meinem Leben gemacht. Z.B. im Studium in Callcentern gearbeitet, mal zwei Wochen in einer Fabrik am Fließband, als Sekretärin in einem Automobilunternehmen, als Promoterin auf Musikfestivals und als Eventbetreuung bei Weiterbildungen.
Ich habe Kulturverwaltungen mittelgroßer Städte beraten, insgesamt einen 7-stelligen Betrag an Spendengeldern für gemeinnützige Zwecke eingeworben und zahlreiche Bücher geschrieben und veröffentlicht. Ich liebe es, selbständig zu sein und als Solopreneurin angehende Autor*innen beim Schreiben ihrer Bücher zu unterstützen und selbst welche zu schreiben.
Aber mein bester, aufregendster und anstrengendster Job ist es, Mutter zu sein!
18. Die einzige Diät, die zählt
Ich halte nichts von Diäten oder vom Abnehmen.
Im Gegenteil: Ich bin in den letzten Jahren zur Anti-Diät-Aktivistin geworden und werde nie wieder Kalorien zählen oder auf irgendeinen Paleo-Detox-Intervall-Blödsinn reinfallen. Ich ernähre mich seit Jahren intuitiv und bin überzeugt: "Gesundheit kennt kein Gewicht".
Nur in einem Bereich liebe ich Diäten:
beim Schreiben.
Fast jeder Text wird besser, wenn er „leichter“ wird. Kürzen tut Texten gut.
Ich weiß, es ist nicht leicht, seine Lieblinge zu streichen, wenn man tagelang, wochenlang oder sogar monatelang Sätze und Absätze geschrieben hat. Jetzt etwas wegnehmen? Ja, unbedingt! Mindestens 10 Prozent kannst du immer streichen.
Mein Tipp: Schreib erstmal einfach drauf los und vergiss dabei das Kürzen. Wenn du fertig bist, geh nochmal drüber und streiche:
- Doppelungen
- Überflüssige Adjektive („Plüsch“ statt „flauschiger Plüsch“, „Meilensteine“ statt „wichti-ge Meilensteine“ usw.)
- Sätze, die wie ein Klotz am Bein hängen, aber nichts Neues zum Inhalt beitragen.
Dein Text wird es dir danken.
19. Meine erzwungene Freundin
Ich mochte sie nicht. Trotzdem musste ich jeden Tag mit ihr spielen.
Am Anfang war es noch spannend, hat sogar Spaß gemacht. Aber irgendwann kratzte sie nur noch an meinen Nerven. Und das war auch noch meine Schuld.
Doch mit 13 änderte sich das ganz plötzlich:
Ich wurde zusammen mit ihr in eine Gemeinschaft aufgenommen, die mein Leben enorm bereicherte und das tat unserer Beziehung gut. Gemeinsam reisten meine Geige und ich im Orchester nach New York, Chicago, Athen, Nizza, Porto, Venedig und sogar zur Weltausstellung nach Lissabon.
Wenn ich meine Geige heute auspacke, dann ist mir eines sehr bewusst:
Es brauchte jahrelange Übung, um mit ihr im Orchester zu spielen und gemeinsam mit anderen Musiker*innen auf großen Bühnen zu konzertieren.
Aber es hat sich gelohnt - das Durchhalten hat sich gelohnt - das Üben hat sich gelohnt - und auch die ganze Überwindung. Tag für Tag.
Im Orchester spielen macht mir großen Spaß - bis heute! Auch wenn ich dafür immer wieder schwere und nervige Stellen üben muss.
Vielleicht hast du auch ein Hobby, das du bereits seit Jahren auslebst? Läufst du? Tanzt du? Lernst du gerne neue Sprachen oder spielst du ebenfalls ein Instrument?
Dann hast du selbst erlebt, dass es dafür Übung braucht.
Wir müssen unsere Muskeln und unser Gehirn an die neue Tätigkeit gewöhnen - jedes Mal aufs Neue.
Doch je öfter wir den Muskel trainieren, desto größer wird am Ende auch der Spaß - so geht es mir zumindest.
Beim Schreiben ist es ähnlich:
Schreiben ist ein Muskel, der trainiert werden will.
Mit jedem Satz, den du schreibst, wird es leichter - auch wenn du das nicht gleich merkst.
Bitte übertreib es nur nicht mit dem Training - denn was dann häufig passiert, kennst du aus dem Sport:
Du bekommst Muskelkater.
Schlimmstenfalls legst du dein Schreibprojekt zur Seite und holst es nie wieder vor.
Wähle dir stattdessen realistische Ziele:
- Nimm dir zum Beispiel vor, jeden Tag 1/2 - 1 Seite zu schreiben.
- Schreibe ein paar Sätze in dein Notizbuch auf dem Weg zur Arbeit oder abends vor dem Schlafengehen. Schreibe in der Mittagspause ein paar Gedanken in deinen Laptop, komm in mein Online-Schreibcafé und lass dich inspirieren. Egal wie und wo: Schreibe.
- Mach am Wochenende Pause, damit sich dein Schreibmuskel erholen kann.
Wer weiß: Vielleicht schreibst du an manchen Tagen ja sogar ein paar Seiten mehr - einfach aus Spaß.

20. Bist du Buddhistin?
Wenn ich von meiner Forschung an der Uni Bern zur Bedeutung des Buddhismus für Tibeter*innen in der Schweiz und von meiner langjährigen Arbeit für Tibet spreche, kommt ganz sicher früher oder später die Frage: "Bist du Buddhistin?".
So naheliegend diese Annahme für manche Menschen sein mag - sie ist es nicht. Ehrlich gesagt hat mich schon im Studium genervt, dass da Leute ins Institut in Bonn kamen, die als erstes nach dem Meditationsraum fragten. Sorry, das eine ist Wissenschaft, das andere Religion. Natürlich haben wir uns religionswissenschaftlich auch mit dem Buddhismus befasst - wir wurden sogar von einem Rinpoche Lama unterrichtet. Denn ja: die meisten Tibeter*innen sind Buddhisten. Aber deswegen bin ich noch lange keine.
Also: Nein, ich bin keine Buddhistin. Ich bin Ex-Katholikin und stolz drauf, seit vielen Jahren keiner Religion mehr anzugehören. Ich respektiere jedoch alle Menschen, die es tun (solange es keine Fundis sind).
Wenn du also mit einer Buchidee an mich herantrittst, die sich mit buddhistischen Philosophien beschäftigt, dann werde ich dich vermutlich nicht wegschicken, denn ich finde das Thema nach wie vor spannend. Aber du musst dich darauf gefasst machen, dass ich das Thema vor allem aus wissenschaftlicher Perspektive betrachte. Wenn dir das zu unbequem ist, dann bin ich nicht die Richtige. ;-)